Collien Fernandes in der ARD nach Anzeige gegen Ulmen: „Deutschland ist ein Täterparadies“

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Nach ihrer Anzeige gegen Ex-Mann Christian Ulmen hat sich Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes im TV geäußert.

Palma de Mallorca – Der Fall von Collien Fernandes und ihre Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen dominieren die deutsche Nachrichten- und Internet-Welt. Am Donnerstag hatte Fernandes öffentlich schwere Vorwürfe gegen Christian Ulmen erhoben. Dabei geht es um das Erstellen und Verbreiten von gefälschten, mithilfe künstlicher Intelligenz generierten pornografischen Aufnahmen von ihr. Fernandes erstattete Anzeige gegen Ulmen.

Collien Fernandes in ihrem TV-Interview.Collien Fernandes in ihrem TV-Interview. © Screenshot

Am Freitagabend hat auch die „Tagesschau“ im Detail über die Vorwürfe berichtet – es wurden zudem in den Hauptnachrichten Auszüge aus einem Interview mit Fernandes gezeigt. Ausführlichere Ausschnitte waren bei Tagesschau24 und in den „Tagesthemen“ zu sehen.

Collien Fernandes erstattete in Spanien Anzeige gegen Christian Ulmen

Sie sprach über ein strukturelles Problem. Deutschland sei „ein Täterparadies“, sagte Fernandes, die in Spanien Anzeige erstattet hatte. „Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil in Spanien die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland.“ Fernandes erklärte weiter: „Ich habe das Gefühl, dass es jahrelang nicht ernst genommen wurde. Ich finde es wichtig, aufzuzeigen, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist. Ich war lange in psychotherapeutischer Behandlung. Ich musste das extrem aufarbeiten.“

Der Spiegel hatte zuerst darüber berichtet. Ulmen bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt sprach von der Verbreitung „unwahrer Tatsachen“ und einer „unzulässigen Verdachtsberichterstattung“ und kündigte rechtliche Schritte gegen den Spiegel an.

Das Thema beschäftigt nun auch die Bundespolitik. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, mit einem neuen Gesetz Strafbarkeitslücken im Fall von digitaler Gewalt zu schließen. Den Sendern RTL und ntv sagte sie: „Wir wollen dafür sorgen, dass sich Täter nicht mehr sicher fühlen können, sondern dass sie damit rechnen müssen, dass sie bekannt und wirksam strafrechtlich verfolgt werden.“

Im Internet kursieren unzählige mithilfe künstlicher Intelligenz generierte Pornos und Nacktbilder. Oft handelt es sich um gefälschte Aufnahmen von Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, um sogenannte Deepfakes. „Manche dieser Aufnahmen dienen dazu, Menschen zu verletzen“, sagte Hubig am Freitag dem Spiegel. „Andere sollen die Betroffenen verleumden oder Lügen streuen. Das werden wir nicht hinnehmen.“ Momentan gebe es hier noch eine Lücke im Strafrecht, sagte die Ministerin. Das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes müsse künftig ausdrücklich strafbar werden.

Deepfakes im Internet: Politik plant Gesetzesänderungen

Ministerin Hubig betonte, dass sie sich nicht zu Einzelfällen äußern wolle. Klar sei aber: „Ich will mich darum kümmern, dass zum Beispiel das Herstellen und Verbreiten von pornografischen Deepfakes unter Strafe gestellt wird, damit wir da eine klare Gesetzeslage haben.“

„Wir müssen Frauen und Mädchen besser vor digitaler Gewalt schützen“, sagte auch Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) dem Magazin Stern. „Digitale Technologien bringen neue Formen von Gewalt hervor – von bildbasiertem Missbrauch bis hin zu Deepfake-Pornografie.“ Täter würden den digitalen Raum gezielt für Kontrolle, Belästigung und Demütigung von Frauen nutzen.

Die geplanten Gesetzesänderungen sollen nicht nur pornografische KI-Bilder umfassen, sondern Fakes insgesamt, die in die Persönlichkeitsrechte eingreifen, wie Hubig weiter dem Spiegel sagte. Mit dem neuen Gesetz plane sie auch Regelungen gegen digitalen Voyeurismus, um heimliche sexualisierte Aufnahmen im öffentlichen Raum ohne die Zustimmung der Betroffenen zu verbieten. Sie wolle zudem Stalkingopfer vor dem Einsatz von Trackinggeräten schützen, etwa in Fällen partnerschaftlicher Gewalt.

Ein Sprecher von Hubigs Ministerium sagte, der Gesetzentwurf zum digitalen Gewaltschutz sei „praktisch fertig“. Er werde „in sehr kurzer Zeit vorgelegt“. Ein Regierungssprecher betonte, auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) unterstütze das Vorhaben.
Auch Linke und Grüne forderten, Strafbarkeitslücken bei digitaler Gewalt zu schließen. Fernandes‘ Fall mache erneut deutlich, dass Strafverfolgungsbehörden und Gerichte in Deutschland „nicht ausreichend auf diese Fälle vorbereitet“ seien, sagte Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek dem „Spiegel“. Die Grünen-Abgeordnete Lena Gumnior forderte Hubig gegenüber dem Magazin auf, ihren Gesetzentwurf schon in der kommenden Woche vorzulegen.

Gegenüber dem Spiegel berichtete Hubig auch über ihre Erfahrungen als Richterin und Staatsanwältin, die bis heute ihren Blick auf das Thema der sexuellen Gewalt geprägt hätten. „Das sind furchtbare Taten“, sagte Hubig. „Heute sehen wir, dass Taten in digitaler Form ebenso verheerende Wirkung entfalten können. Deshalb mache ich keinen Unterschied zwischen analoger und digitaler Gewalt. Jeder Übergriff, egal wo und wie er erfolgt, ist einer zu viel.“ (Quellen: Spiegel, AFP, Tagesschau, Tagesschau24, RTL)