Otto Addo: Erst gegen Deutschland, dann bei der WM – „Alles ist möglich“

Nationaltrainer Otto Addo von Ghana

AUDIO: Otto Addo will bei der WM überraschen (1 Min)

Stand: 29.03.2026 13:58 Uhr

Aus Hamburg-Hummelsbüttel hinaus in die Welt: Otto Addo will als Nationaltrainer von Ghana bei der WM überraschen. Nichts ist unmöglich, das habe er schließlich selbst bewiesen, sagt er. Im Fokus steht allerdings zunächst der Härtetest gegen Deutschland am Montag in Stuttgart.

Bevor auch nur jemand seine Aussagen in Zweifel ziehen könnte, stellt Addo klar: „Alles ist möglich. Ich bin in Hamburg mit meiner Zwillingsschwester und meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Jetzt bin ich Nationaltrainer.“ Auf dem Weg dorthin machte der mittlerweile 50-Jährige knapp 130 Spiele in der Ersten und Zweiten Liga, wurde deutscher Meister, gewann den DFB-Pokal und kickte in der Champions League.

Mit den „Black Stars“ will der Addo bei der Weltmeisterschaft (11. Juni bis 19. Juli) weit kommen. Seine eigene Mannschaft könne „an guten Tagen mit den Top-Nationen mithalten“. Und so soll es auch sein, wenn Ghana am Montag (20.45 Uhr, live im Ersten) in Stuttgart auf Deutschland trifft.

Addo fühlt sich als Deutsch-Ghanaer

Addo wuchs im Hamburger Norden auf. Und nicht nur, weil sein Vater nicht bei der Familie war, war es nicht immer einfach. „Früher habe ich mich nur als Ghanaer gesehen. Ich habe mich so gesehen, wie andere mich sehen. Die erste Frage war immer: Woher kommst du?“, berichtet Addo. Das, sagt er nachdenklich, sei schon schwierig. Und er glaubt, es höre auch niemals auf. Dennoch fühle er sich heute als Deutsch-Ghanaer, will das Beste aus beiden Welten vereinen.

Kampf gegen Rassismus im Sport

Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Addos Verhältnis zu Deutschland ziemlich auf die Probe gestellt worden ist. Nicht zuletzt aus seiner aktiven Karriere kennt er Affenlaute, Bananenwürfe und diskriminierende Sprüche – etwa 1997 in der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga seines damaligen Vereins Hannover 96 bei Energie Cottbus.

Otto Addo im Jahr 2007 im Trikot des HSV

Seine Karriere als Fußballer beendete Otto Addo beim HSV.

„Ich kann gar nicht sagen, was schlimmer ist. Wenn man vom Gegenspieler beleidigt wird oder von Zuschauern – egal, wie viele es sind“, erklärte Addo vor einigen Jahren anlässlich der Gründung von „ROOTS – Against Racism in Sport“. Die Initiative will eine chancengerechte und inklusive Sportwelt schaffen, frei von Rassismus und Diskriminierung.

„Das Erschreckendste oder – besser gesagt – das Traurigste war für mich, dass man auch Kinder gesehen hat, die bestimmte rassistische Wörter und Slogans mitgesungen haben, und dass es ganz, ganz wenig Konsequenzen hatte“, so Addo.

Otto Addo

ROOTS heißt eine Initiative von Otto Addo und seinem Experten-Team. Das Ziel: Rassismus im Sport bekämpfen und Betroffenen helfen.

Schwierige Lage in den USA

Addo tritt selbstbewusst und stets meinungsstark auf. Die schwierige Frage nach der Politik vor der WM beantwortet er differenziert. „Was versteht man unter Politik?“, fragt er. „Für mich ist es keine Politik, sich für Menschen, die rassifiziert oder diskriminiert werden, einzusetzen.“ Aber zu Kriegsthemen werde er sich sicher nicht äußern.

Schon zum vierten Mal bei einer WM

Addo wird in den USA, Mexiko und Kanada zum vierten Mal bei einer WM dabei sein. 2006 in Deutschland schied er als Spieler mit Ghana im Achtelfinale gegen Brasilien aus, 2022 als Nationaltrainer in Katar in der Vorrunde. 2014 war er für Ghana als Scout und Spielanalyst in Brasilien vor Ort.

„Es wird irgendwann einen afrikanischen Weltmeister geben, da bin ich mir sicher.“

Ghanas Nationaltrainer Otto Addo

Marokko hat es 2022 als bisher beste afrikanische Mannschaft ins WM-Halbfinale geschafft. Und „je mehr afrikanische Mannschaften an der WM teilnehmen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit“, dass es irgendwann einen Weltmeister aus Afrika geben wird, so Addo. Neun oder vielleicht sogar zehn Teams, wenn sich die Demokratische Republik Kongo im Play-off-Finale am Dienstag gegen Jamaika durchsetzt, sind bei der WM 2026 dabei.

Ghana in einer WM-Gruppe mit England

Ghana hat in der Vorrunden-Gruppe L mit England, Kroatien und Panama eher Außenseiterchancen. Addo gibt sich aber optimistisch: „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Am Freitagabend kassierte er allerdings mit seiner Mannschaft gegen Österreich eine empfindliche 1:5-Pleite. Gegen die DFB-Elf soll es sein Team am Montag besser machen.

Drei Spieler aus Deutschland gehören aktuell zum Kader: Ransford Königsdörffer vom Hamburger SV, Patric Pfeiffer von Darmstadt 98 und Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg. Der Star der Mannschaft ist Antoine Semenyo von Manchester City. Den Rechtsaußen verpflichtete Pep Guardiolas Club im Winter von Ligakonkurrent AFC Bournemouth – für 72 Millionen Euro.

Addo mit großem Respekt vor Nagelsmanns Team

Vor der WM steht aber noch das Spiel in Stuttgart an – und die Vorfreude bei Addo ist groß: „Deutschland ist immer oben mit dabei, hat sehr, sehr gute Spieler, einen sehr, sehr guten Trainer“, sagte der gebürtige Hamburger. Dementsprechend traut er seinem Kollegen Julian Nagelsmann auch bei der WM im Sommer alles zu. „Deutschland ist immer für einen Titel gut, ich rechne immer mit Deutschland“, betonte Addo, der seine Karriere 2008 beim HSV beendete und bis 2024 Toptalente-Trainer bei Borussia Dortmund war. „Das habe ich auch 2014 getan, als viele andere Zweifel hatten. Das ist eine absolute Topmannschaft.“

Aber nicht nur deshalb kommt dem WM-Härtetest für Addo eine besondere Bedeutung zu. „Ich weiß, dass meine Zukunft zu großen Teilen in Deutschland liegen wird“, erklärt der Trainer und lacht. Man will sich ja noch sehen lassen können.

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